Einzigartiges Abiturkonzert eines sehr musikalischen Jahrgangs

 

Abschied nehmen, Dank sagen und gleichzeitig das Publikum verzaubern – all dies ist möglich mit Musik. Das bewiesen unsere diesjährigen Absolventen am Mittwoch, 22. Juni, mit einem vielseitigen, niveaugeladenen Abiturkonzert im einzigartigen Ambiente des Kaisersaals des Klosters der Dominikanerinnen. Sie brillierten an Saiten-, Blas- und Tasteninstrumenten sowie auch im Gesang, versetzten ihr Auditorium anhand virtuoser Darbietungen in verzücktes Erstaunen und sagten auf ihre ganz persönliche Art „Vergelt´s Gott“ und „Auf Wiedersehen“ zu ihrer nun „ehemaligen“ Schule.

 

Rebecca Kraus entführte ihre Zuhörer mit George Crumbs „Makrokosmos Nr. 1“ gleich zu Beginn des Programms in fantastische Klangwelten rund um den Konzertflügel. Unter anderem Technik und Authentizität der jungen Künstlerin ließen gespannt sein auf noch kommende Darbietungen, die dann auch nicht lange auf sich warten ließen. Kraus hauchte dem ersten Satz aus Maurice Ravels „Sonatine A-Dur“ mit kunstvoller Harmonik, Eleganz und Klarheit, Persönlichkeit und musikalischem Einfühlungsvermögen jugendliches Leben ein. Frédéric Chopin zollte Johannes Klotz ganz besonderen Respekt, indem er gleich zwei Werke des polnisch-französischen Meisterkomponisten zu Gehör brachte. Brillant-perlend, graziös, mit feinsinniger Klangmalerei und ebensolcher Emotion versehen verzauberte das Spiel des Kötzer Pianisten beim „Walzer Op. 34 Nr. 3“ sowie auch beim expressiv-virtuosen „Impromptu Op. 29 Nr. 1“. Im vierhändigen Vortrag mit seiner „Kollegin“ Kraus präsentierte Klotz zudem die „Nummer 1“ aus Moritz Moszkowskis „Spanischen Tänzen“, während derer die Finger beider Interpreten in wundervollem Zusammenspiel förmlich über die Tasten zu schweben schienen.

„Classical Gas“ von Mason Williams stellt für jeden Konzertgitarristen eine echte Herausforderung dar – nicht zuletzt, weil dieses diffizile Stück in seiner genialen Kombination aus Klassik, Rock und Country als Untermalung von Fernsehfilmen sehr bekannt ist. Abiturientin Lena Fischer begeisterte jedoch in ihrer Performance mit Fingerfertigkeit, Stil und Anmut sowie mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Coolness und Temperament, die einen individuellen, satten Groove ausmachen. Viel Gefühl und Empathie vermittelte die Gitarristin auch beim Preludio aus „La Cetedral“ von Agustin Barrios Mangoré und in ihrer Eigenschaft als „Begleitung“ der Querflötistin Chiara Fischer. Diese glänzte mit ausgereifter, beneidenswerter Kunst-, Finger- und Zungenfertigkeit ebenso wie mit sympathischer Bühnenpräsenz innerhalb ihres mitreißenden, vielseitige Facetten des Blasinstrumentes zur Geltung bringenden Vortrags der „Introduction and Variations on an Original Theme (Op. 32)“ von Ernst Krähmer, dem geschätzten Csakanvirtuosen des frühen 19. Jahrhunderts.

Nicht jeder Abiturjahrgang kann mit hoffnungsvollen und professionellen Sängern aufwarten, und so bildete auch der Auftritt von Annette Binanzer, begleitet von Musiklehrer Markus Putzke am Klavier, einen weiteren Höhepunkt des Konzertabends. Die junge Künstlerin brachte „Ridente la Calma“ von Wolfgang Amadeus Mozart mit wahrer Leuchtkraft und rührender Zärtlichkeit in der Stimme als wunderschönen musikalischen Traum zu Gehör, bevor sie – ebenso technisch brillant – den barocken Kaisersaal anhand von Giovanni Legrenzis „Che fiero Costume“ mit der angemessenen barocken Lebensfreude füllte.

Dass unser „Jahrgang 2016“ ein ganz besonders musikalisch versierter gewesen ist, wurde abschließend noch durch den großen „Chor der Abiturienten“ bewiesen. Die Sängerinnen und Sänger faszinierten ihre Zuhörer nicht nur mit ihrer ureigenen Interpretation des „4 Chords Song“ von „The Axis of Awesome“, der mannigfaltige moderne Hits aus Rock und Pop in schwindelerregendem Tempo nahtlos ineinanderfließen lässt, sondern auch anhand von Amanda McBrooms Evergreen „The Rose“, welcher a cappella mit viel Gefühl und einem merklichen Quäntchen Abschiedsschmerz angereichert war. Kurz und präzise, dabei aber auch charmant und kompetent führten Katja Mayr, Chiara und Lena Fischer durch das Programm.

Andrea Linder

 

. All Right Reserve.